13. Apr. 2026

Politische Krisen beunruhigen die Logistiker

Die aktuelle Befragungsreihe der «Logistics Hall of Fame» in Kooperation mit der Schunck Group offenbart: Politische Risiken verdrängen den Fachkräftemangel von den vorderen Plätzen der grössten Risiken für die Logistik. Die instabile Lage im Nahen Osten und neue Handelshemmnisse führen zu einem deutlichen Stimmungsumschwung. Cyber-Kriminalität bleibt jedoch das grösste Risiko.

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Bild: Impact Media Projects GmbH

Die geopolitische Lage schlägt mit voller Wucht auf die Logistik-Branche durch: Fast zwei Drittel der Branchen-Experten (65,5 Prozent) stufen politische Risiken mittlerweile als eine der drei grössten Gefahren für die weltweite Logistik ein. Das ist das zentrale Ergebnis der aktuellen Trend Survey der «Logistics Hall of Fame», die regelmässig in Kooperation mit der Schunck Group rund um das Thema Risiken durchgeführt wird. Damit haben politische Krisen innerhalb kürzester Zeit den Fachkräftemangel als eines der Top-Risiken im Ranking abgelöst.

Der massive Anstieg der Risikowahrnehmung ist eng mit der aktuellen Weltlage verknüpft. Besonders die militärische Eskalation im Iran und die daraus resultierenden Störungen an der Straße von Hormus sowie im Roten Meer setzen die globalen Warenströme unter massiven Druck. Dass dies keine abstrakten Sorgen sind, belegt die Umfrage: Mehr als die Hälfte der Befragten (55,2 Prozent) gab an, bereits konkret finanzielle Schäden durch politische Krisen erlitten zu haben. Als kritischste Faktoren identifizieren die Experten dabei geopolitische Konflikte und Kriege (79,3 Prozent) sowie Handelsbarrieren und Zölle (69,0 Prozent).

Noch vor einem Jahr zeichnete sich bei der Befragung ein anderes Bild: Damals dominierten Cyber-Kriminalität und Fachkräftemangel mit jeweils 75 Prozent das Ranking. Während die Sorge vor Hacker-Angriffen mit aktuell 75,9 Prozent auf konstant hohem Niveau verharrt, ist die Wahrnehmung des Fachkräftemangels deutlich zurückgegangen. Nur noch rund 51,7 Prozent der Befragten zählen ihn aktuell zu den drei grössten Gefahren - ein Rückgang um über 23 Prozentpunkte gegenüber Mai 2025. Dicht hinter den drei meistgenannten Risiken folgen Lieferkettenunterbrechungen (34,5 Prozent) sowie makroökonomische Veränderungen (20,7 Prozent). Marktveränderungen und Betriebsunterbrechungen belegen mit Werten zwischen rund 14 und sieben Prozent die weiteren Plätze in der aktuellen Risikoanalyse.

«Die Logistik ist das Rückgrat der Weltwirtschaft und damit besonders anfällig für politische Erschütterungen. Dass politische Risiken nun so massiv in den Fokus rücken, zeigt, dass wir uns in einer Ära der permanenten Volatilität befinden. Ob die Blockade maritimer kritischer Knotenpunkte im Iran-Konflikt oder die neue Zollspirale im Transatlantik-Handel - staatliche Eingriffe und internationale Konflikte gefährden unmittelbar die Stabilität der Lieferketten», betont Thomas Wicke, Geschäftsführer der Schunck Group, die Tragweite dieser Entwicklung.

Cyber-Kriminalität bleibt das Dauer-Risiko

Trotz der geopolitischen Unsicherheiten bleibt die Cyberkriminalität mit 75,9 Prozent die am häufigsten genannte Gefahr. Besonders für das eigene Unternehmen wird sie von mehr als jedem zweiten Befragten (51,7 Prozent) als das Schadensrisiko mit der höchsten Relevanz eingestuft. «Auch wenn politische Krisen wie im Nahen Osten derzeit die Schlagzeilen dominieren, darf die unsichtbare Gefahr aus dem Netz nicht unterschätzt werden. Cyber-Kriminalität bleibt ein existenzielles Risiko, das jedes Unternehmen - unabhängig von seiner Grösse oder geopolitischen Lage - jederzeit und weltweit treffen kann. Und hier gilt es, wachsam zu sein und Vorsorge zu betreiben», führt Thomas Wicke an.

Resilienz durch Diversifizierung

Um sich gegen die neuen Gefahren zu wappnen, stellt die Branche ihre Strategie um. Laut der Umfrage setzen jeweils 69 Prozent der Teilnehmer auf zwei Hauptpfeiler: die Diversifizierung von Lieferketten und Absatzmärkten sowie die Erstellung fester Notfallpläne. Ziel ist es, unabhängiger von einzelnen Weltregionen zu werden und im Ernstfall schnell auf andere Routen oder Partner ausweichen zu können. Zudem fordert fast jeder zweite Befragte (44,8 Prozent), dass die Branche gegenüber der Politik geschlossener auftritt. So will man gemeinsam verhindern, dass neue Handelsbarrieren oder Alleingänge einzelner Staaten den Warenfluss weiter behindern.

www.logisticshalloffame.net