Manfred Schellhammer neu in der Schweizer Logistik-Ruhmes-Halle
An der elften Ausgabe der «Swiss Supply Chain Hall of Fame», die am 16. September 2026 im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern vor rund 280 Gästen über die Bühne ging, wurde als neuestes, 26. Mitglied der Schweizer Logistik-Ehren-Halle Manfred Schellhammer aufgenommen. Schellhammer war zwischen 1995 und 2016 Chef der Schweizer Landesgesellschaft von Kühne + Nagel.

Wie bereits im vergangenen Jahr, als mit Tobias Wülser Co-Gründer und Chief Development Officer der Firma Designwerk Technologies AG, das 24. Mitglied der «Swiss Supply Chain Hall of Fame» in den Schweizer Logistik-Olymp aufgenommen wurde, war auch die Aufnahme von Manfred Schellhammer als 26. Mitglied der Schweizer Logistik-Ehrenhalle eine eher überraschende Wahl.
Schellhammer, der auf eine lange und beeindruckende Karriere in der Schweizer Speditions- und Logistikwirtschaft zurückblicken kann - er war unter anderem bei Firmen wie BLG, Ziegler, Danzas und zuletzt Kühne + Nagel tätig - ist ein profunder Kenner der Schweizer Logistik- und Speditions-Branche. Überdies ist Schellhammer seit 2023 Verwaltungsratspräsident der Schweizer Landesgesellschaft von Hellmann Worldwide Logistics.
Dirk Reich, Verwaltungsgrat der Schweizerischen Post und zudem bei Firmen wie DFDS und Log-hub AG engagiert, sagte als Laudator des Preisträgers, dass Manfred Schellhammer für die heutige junge Generation an Logistikerinnen und Logistikern nicht nur ein Vorbild, sondern auch erfolgreich sei.
Reich: «Für den Erfolg braucht es Fachwissen, aber das alleine reicht nicht aus. Es braucht Einsatzfreude rund um die Uhr, es braucht Leidenschaft für das, was man macht. Es braucht Begeisterung, und es braucht Neugier, mit der man andere Menschen ansteckt. Und es braucht Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, schnell zu entscheiden. Vor allem aber braucht es Menschen, die den Menschen, seinen Mitarbeiter und seine Kunden in den Mittelpunkt stellen. Die Persönlichkeit, die wir heute ehren, hat all dies während sechs Jahrzehnten vorgelebt.»
Dirk Reich, der das aktuellste «Swiss Supply Chain Hall of Fame»-Mitglied seit vielen Jahren gut und eng kennt, skizzierte folgendes Bild von Schellhammer: Dieser habe 60 Jahre Kundenorientierung gelebt. Er habe gezeigt, dass Kundenorientierung nicht nur ein Wort in einer Unternehmens-Präsentation sei, sondern dass er rund um die Uhr (auch an Wochenende) für die Kunden erreichbar sei und sich persönlich für seine Kunden einsetze. Schellhammer zeichne sich durch hohe Management- und Sozialkompetenzen aus. Aus- und Weiterbildung und Persönlichkeitsbildung lägen ihm sehr am Herzen, sowohl beruflich als auch bei seinen vielen Ehrenämtern.
Logistik als Berufung
Reich sagte auch das da: «Logistik ist für Manfred Schellhamer kein Beruf, es ist eine Berufung, die sein ganzes Leben - auch heute noch - erfüllt. Schellhammer kenne keine Bürozeiten. Er war kein Ja-Sager und auch nicht der Traum eines jeden Vorgesetzten. In vielen Themen und Belangen lebt er nach dem Prinzip "contra torrentem", gegen den Strom.» Damit sei Schellhammer in seinem Berufsleben gut gefahren, so Reich weiter.
Manfred Schellhammer selber erklärte, dass die Ehrung für ihn eine grosse Ehre sei.
Rudolf Arnold Gelpke postum geehrt
Bereits zu einem früheren Zeitpunkt sickerte an die Öffentlichkeit, dass mit Rudolf Arnold Gelpke in die Ehrenhalle als 25. Mitglied gewählt wurden. Mit Gelpke würdigt die Stiftung Logistik Schweiz, die hinter der «Swiss Supply Chain Hall of Fame» steht, einen visionären Pionier der schweizerischen Rheinschifffahrt und einen bedeutenden Wegbereiter der modernen Schweizer Logistik.
Rudolf Arnold Gelpke wurde am 5. Oktober 1873 in Basel geboren und verstarb am 12. Januar 1940 in Waldenburg (Kanton Baselland). Schon in seiner Jugend entwickelte er eine enge Verbindung zur Flussschifffahrt, denn als Maschinist fuhr er auf Kähnen und Schiffen den Rhein dort entlang, wo der Fluss zu seiner Zeit bereits schiffbar war. Er besuchte das Gymnasium und die Obere Realschule in Basel und studierte von 1892 bis 1896 am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich, wo er als diplomierter Zivil-Ingenieur abschloss.
Nach seinem Studium arbeitete Gelpke als Tiefbau-Ingenieur bei Stollenbauten und war sowohl im In- als auch im Ausland in der Schifffahrt tätig. Am 2. Juni 1904 bewies er mit der Fahrt des Schleppdampfers «Knipscheer IX» und dem Schleppkahn «Christina» nach Basel, dass der Oberrhein schiffbar war. Dabei belieferte er das Gaswerk St. Johann mit Kohle. In Zusammenarbeit mit dem Verein für die Schifffahrt auf dem Oberrhein spielte er eine entscheidende Rolle beim Bau der Rheinhäfen St. Johann (1906–1911) und Kleinhüningen (bis 1922).
Voller Einsatz für die Schifffahrt
Sein ganzes Leben lang setzte er sich für die Schifffahrt ein und initiierte die Gründung der Basler Personenschifffahrts-Gesellschaft, die 1924 vom genannten Verein gegründet wurde. Diese Genossenschaft konnte dem Konkurrenzdruck der Basler Rheinschifffahrts-Aktiengesellschaft jedoch nicht standhalten und musste nach vier Jahren liquidiert werden. Erst 1968 erfolgte die Neugründung der BPG als Aktiengesellschaft.
Politisch engagierte sich Gelpke als Mitglied der bürgerlichen Fortschrittspartei und ab 1919 bei der BGB - der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (heute SVP). Er war von 1908 bis 1912 Mitglied des Basler Grossen Rats und nach den Parlamentswahlen 1917 bis 1935 Mitglied des Nationalrats. 1920 wurde ihm ein Ehrendoktorat der Technischen Hochschule Karlsruhe verliehen.
Zu Ehren von Rudolf Gelpke schuf Willy Hege im Auftrag der Kunstkredit Basel-Stadt den Gelpke-Brunnen beim Museum Verkehrsdrehscheibe Schweiz und «Unser Weg zum Meer». Anlässlich des Abschlusses der internationalen Schifffahrtstagung wurde 1945 der Gelpke-Brunnen im Rheinhafen Kleinhüningen enthüllt. Die Steinskulptur zeigt eine Galionsfigur, wie sie einst auf alten Segelyachten am Bug «voranstürmte». Sie ist bewusst rheinaufwärts ausgerichtet und symbolisiert Gelpkes Willen, auch gegen den Strom zu (anzu-)kämpfen.
Der Brunnen erinnert an Rudolf Gelpke, einen grossen Förderer der Grossschifffahrt am Oberrhein. Die Inschrift lautet: «Dem Pionier der Schweizerischen Rheinschifffahrt Rudolf Gelpke». Dank seines engagierten Einsatzes wurde die Schifffahrt am Oberrhein nicht zugunsten der aufstrebenden Eisenbahn eingestellt. Er war Mitbegründer der Schweizerischen Schifffahrtsvereinigung und leistete einen bedeutenden Beitrag zur Rheinschifffahrt, die heute ein wichtiger Träger des Schweizer Aussenhandels ist.
«Architekt der modernen Schweizer Logistik»
Rudolf Arnold Gelpke sei «der Architekt der modernen schweizerischen Logistik-Infrastruktur», so die offizielle Laudatio von der Stiftung Schweiz Logistik. Zu einer Zeit, als die Schweiz als reines Binnenland ohne direkten Zugang zu den Weltmeeren galt, habe er das ungenutzte Potenzial des Rheins als globale Handelsstrasse erkannt. Gelpkes Lebenswerk sei das Fundament, auf dem die heutige Versorgungssicherheit und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Schweiz beruhe.